Karte La Granja
Digitalisierungsvorlage: Kartendaten © OpenStreetMap, CC-BY-SA

La Granja – Erinnerung an ein verschwundenes Stück Mallorca

La GranjaDas traditionsreiche Landgut La Granja auf Mallorca ist Geschichte. Nach seinem Verkauf im Jahr 2022 soll das Anwesen zu einem Luxushotel umgebaut werden – Besichtigungen sind daher leider nicht mehr möglich. Damit verschwindet ein Ort, der über Jahrhunderte hinweg ein lebendiges Zeugnis mallorquinischer Geschichte und Kultur war. Mit diesem Beitrag möchten wir an La Granja erinnern und die Eindrücke eines besonderen Ortes bewahren, der vielen Besuchern unvergessen bleiben wird.


Südlich von Valldemossa, in der Nähe der Stadt Espoleres, liegt das alte Landgut La Granja. Schon die alten Römer kannten die Quelle von La Granja, die hier aus dem Fels sprudelt und den Landsitz in ein fruchtbares Paradies verwandelt. Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert nutzten die Araber diese natürliche Ressource, um Mühlen zu betreiben und Olivenöl zu gewinnen. Ihre Spuren blieben bis zuletzt in Architektur und Anlage sichtbar.


Ab dem Jahr 1239 diente La Granja rund zwei Jahrhunderte lang Mönchen des Zisterzienserordens als Kloster. Danach wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer, bis es schließlich von der Familie Fortuny geprägt wurde, die das Landgut entscheidend ausbaute. Im 20. Jahrhundert war es Cristóbal Seguí Colom, der La Granja restaurierte und in ein Museum verwandelte – ein Ort, an dem Besucher in die Lebensweise vergangener Zeiten eintauchen konnten.


Loggia

Besonders lebendig wurde das Anwesen an bestimmten Tagen, wenn Handwerker in traditionellen Trachten ihre Arbeit vorführten und Volkstanzgruppen den Platz vor dem Herrenhaus mit Leben füllten. Trotz des zeitweisen Trubels blieb La Granja für viele ein Ort, an dem sich Geschichte mit allen Sinnen erleben ließ – nicht zuletzt durch die Verkostung lokaler Spezialitäten wie frisch gebackener Bunyoles oder mallorquinischem Wein.

 

Färberei
Wer durch das Anwesen streifte, konnte auf eigene Faust das weitläufige Gelände erkunden: das zweigeschossige Herrenhaus mit seinen stilvoll eingerichteten Räumen, darunter ein florentinischer Salon, ein Thronsaal mit Bühne oder der stille arabische Turm. Hinzu kamen Werkstätten, eine Ölmühle, ein Weinkeller, eine Färberei, eine Destillerie und sogar ein düsterer Folterkeller – eindrucksvolle Zeugnisse vergangener Arbeits- und Lebenswelten.

 

  

La Granja Badehaus
Auch außerhalb der Gebäude bot La Granja viel zu entdecken: ein romantisches Badehaus, eine keine Grotte, alte landwirtschaftliche Geräte und typische mallorquinische Nutztiere. Mehr als 50 Gebäudeteile und Anlagen machten das Landgut zu einem Ort, für den man Zeit brauchte – und den man nicht so schnell vergaß.

  


La Granja Brunnen mit Figur
Heute bleibt La Granja nur noch in der Erinnerung. Mit seiner Schließung verliert Mallorca ein Stück gelebter Geschichte – einen Ort, der Vergangenheit greifbar machte und seinen Besuchern ein authentisches Bild des Insellebens vermittelte. 

 

La Granja GärtenDie Reaktionen auf das Aus sind dabei von Wehmut, aber auch von einer gewissen Ambivalenz geprägt. Viele Einheimische bedauern den Verlust eines kulturellen Ortes, der fernab der typischen Touristenpfade lag und mallorquinische Traditionen bewahrte. Gleichzeitig passt die Entwicklung für einige in ein größeres Bild: Auf Mallorca wächst seit Jahren die Kritik daran, dass immer mehr historische Orte verkauft und touristisch oder luxuriös umgebaut werden. Unter dem Motto „Mallorca steht nicht zum Verkauf“ protestieren tausende Bewohner gegen genau solche Entwicklungen und den zunehmenden Ausverkauf der Insel .

Auch unter Urlaubern sorgt die Schließung für Enttäuschung. Viele Reisende suchten bewusst Orte wie La Granja, um dem Massentourismus zu entkommen und ein ursprünglicheres Mallorca zu erleben. Gerade solche authentischen Ziele verschwinden jedoch zunehmend – während gleichzeitig der Tourismus weiter wächst und die Insel immer stärker unter Druck gerät .

So steht die Schließung von La Granja für mehr als nur das Ende eines Ausflugsziels: Sie ist sinnbildlich für den Wandel Mallorcas. Zwischen wirtschaftlichen Interessen, wachsendem Tourismus und dem Wunsch nach dem Erhalt von Kultur und Identität gehen immer wieder Orte verloren, die vielen Menschen besonders am Herzen lagen.


calderersAls kleine Hoffnung bleibt, dass andere historische Anwesen diesem Schicksal entgehen. Ein Beispiel ist Els Calderers, ein ebenfalls liebevoll erhaltenes Landgut im Inselinneren. Es bietet ähnliche Einblicke in das traditionelle Leben auf Mallorca – und lässt hoffen, dass solche Orte auch in Zukunft bewahrt werden und nicht dem nächsten Luxusprojekt weichen müssen.

 

 


 

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