Mallorca im Frühling: Wenn Rennräder den Takt vorgeben

Radfahrer und Mietwagen Konflikt - KI generiert

Mallorca – die Insel der Sonne, der Mandelblüte und… der Lycra-dominierten Parallelgesellschaft auf zwei Rädern. Wer in der Vorsaison denkt, er könne entspannt mit dem Mietwagen über die Insel cruisen, der hat die Rechnung ohne den ambitionierten „Sportradler“ gemacht.

Es beginnt meist harmlos. Eine kurvige Straße, irgendwo im Tramuntana-Gebirge, das Navi verspricht „nur noch 12 Minuten bis zum Aussichtspunkt“. Doch hinter der nächsten Serpentine offenbart sich die Realität: eine geschlossene Formation aus acht bis zwölf Radfahrern, geschniegelt in neonfarbene Trikots, die aussehen, als wären sie gerade von der Tour de France falsch abgebogen. Geschwindigkeit: konstant 23 km/h. Überholen? Theoretisch ja. Praktisch nur, wenn man spontan Flügel entwickelt.

Denn diese Gruppen haben ein besonderes Talent: Sie fahren nicht hintereinander. Warum auch, wenn die Straße breit genug für zwei Autos wäre? Stattdessen wird nebeneinander gefahren – Kommunikation ist schließlich wichtig. Man tauscht sich über Pulsfrequenzen aus, über Proteinriegel oder vermutlich darüber, wie viele Mietwagenfahrer man heute noch zur Verzweiflung treiben kann. Okay, nebeneinander fahren ist auf Mallorca sogar ausdrücklich erlaubt, solange es die Verkehrssituation zulässt. Sobald sich Verkehr staut oder andere Verkehrsteilnehmer nicht sicher überholen können, müssen Radfahrer hintereinander fahren.

Besonders spannend wird es dann natürlich in den Bergen. Serpentinen, enge Kurven, unübersichtliche Abschnitte – ein Paradies für alle, die Nervenkitzel suchen. Während der Autofahrer versucht, weder Felswand noch Gegenverkehr zu küssen, schraubt sich die Radgruppe gemächlich bergauf. Der Rückspiegel wird zum besten Freund, die Geduld zur spirituellen Übung. 

Spannend wird’s auch dann, wenn einem die flinken Radler im Rausch der Abfahrt in der Serpentinenkurve fast schon auf der Gegenfahrbahn entgegenkommen – dieser Moment, in dem man unweigerlich in die schreckgeweiteten Augen des Sportradlers blickt und für eine halbe Ewigkeit denkt: Den sehe ich gleich als Kühlerfigur.
Man sieht ihn innerlich schon auf der Motorhaube liegen, inklusive dem leisen Geräusch von zerknirschtem Carbon und dem spontanen Ende aller Urlaubsentspannung. Und dann – kurz vor dem Finale – rettet er sich doch noch mit einem waghalsigen Manöver zurück in seine Spur, als hätte er gerade beschlossen, die Weiterfahrt doch lieber ohne Engelsflügel anzutreten. Solche Momente brauch man im Urlaub nicht.

Und dann wären da noch die Kreisverkehre – die Königsdisziplin des Verkehrsalltags: Theoretisch gilt, wer drin ist, hat Vorfahrt, und Radfahrer dürfen als Gruppe zusammenbleiben – aber eben nicht einfach blind einfahren. Praktisch auf Mallorca wirkt das oft etwas großzügiger ausgelegt: Der Erste denkt sich „passt schon“ und fährt, der Rest folgt geschlossen, ohne Zögern und ohne Diskussion. Das inoffizielle Motto: „Wenn einer es schafft, schaffen wir es alle. “Für Autofahrer bedeutet das vor allem eines: Spontane Vollbremsungen und Bluthochdruck.

Nun soll das hier kein Kreuzzug gegen Radfahrer sein. Wirklich nicht. Radfahren ist gesund, umweltfreundlich und macht auf Mallorca zweifellos Spaß. Die Landschaft ist traumhaft, das Klima in der Nebensason ideal – und wer einmal mit dem Rad durch die Berge gefahren ist, weiß, wie besonders das ist.

Aber vielleicht wäre ein kleines bisschen mehr Rücksicht keine schlechte Idee. Ein gelegentliches Hintereinanderfahren. Ein kurzer Blick im Kreisverkehr. Ein freundliches Signal: „Wir sehen euch auch.“ Denn am Ende wollen alle dasselbe – sicher ankommen und den Urlaub genießen.

Und vielleicht sitzt der eine oder andere dieser durchtrainierten Inselhelden ein paar Wochen später wieder zuhause im Auto, regt sich über Radfahrer auf, die „mitten auf der Straße fahren“ und „sich an keine Regeln halten“. Der Kreislauf des Lebens – oder zumindest des Straßenverkehrs.

Alles hier ist mir so (oder so ähnlich) passiert – satirisch zugespitzt, aber nicht ausgedacht.


Informativer Beitrag zu den Radregeln vom Mallorca Inselradio:
20 Rad Regeln auf Mallorca die ultra wichtig sind!

Zum Rad-Hype äußert sich auch Ex-Radprofi Jan Eric Schwarzer im Podcast "Sag nicht Malle" von Christina und Jürgen Mayer:
Kapuzenmänner, Heilige und Radfahrer (ca. ab Minute 20)


 

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